26. Dezember 2005
Indien Jahreswechsel 2005 / 2006 

Reisebericht von Marie Treiling-Evers

In Erinnerung an die Tsunami-Katastrophe flog ich am 26. Dezember 2005 wieder nach Indien. Die Zugfahrt von Madras nach Bapatla dauerte gut 10 Stunden - normalerweise gut 6 Stunden - Spätfolgen von Tsunami und einer langen und heftigen Regenzeit. Überflutungen und Unterspülung der Gleise erlauben auf langen Strecken nur eingleisigen Zugverkehr, unkalkulierbare Verspätungen oder einfach ausfallende Zugverbindungen sind die Folge. In Bapatla angekommen, wie immer ein herzlicher Empfang von Bala, seinen Mitarbeitern, vielen Kindern und Menschen aus den umliegenden Dörfern. Wie so oft wünschte ich mir, dass alle Freunde und Helfer aus Deutschland dabei sein könnten, um meine Freude und die Dankbarkeit der Menschen zu teilen.

In den folgenden Tagen besuchte ich mit Bala gemeinsam Bethapudi, Vedulapalli und Jamulapallam, um mit Familien, Kindern und Dorfältesten zu sprechen. Dies bot die Möglichkeit Sorgen, Freude, Hoffnungen und Wünsche zu erfahren und anschließend abends mit Bala zu besprechen. Neben diesen projektbezogenen Besuchen verbrachten wir einige Stunden mit den 22 Familien in unserem Tsunami-Dorf Vijajalakhsmipuram. Wie im Weihnachtsbrief geschrieben gingen die Bauarbeiten zügig voran. 4 Brunnen mit Pumpen sind gebohrt (26-30 m), die Wasserqualität ist sehr gut (Trinkwasser) und steht unbegrenzt zur Verfügung. Die 22 Familien wässern täglich die Fundamente und alle verfügbaren Leute helfen bei den Bauarbeiten. Einige gehen arbeiten um das "tägliche Brot" für Alle zu sichern. Zusammen mit unseren "Tsunami-Direktoren" Bala sen. und Bala jun. durfte ich am 17. Januar die Baumaßnahmen offiziell eröffnen. Wir alle sind wieder einmal glücklich und dankbar, dass mit Eurer Unterstützung diese Hilfsmaßnahmen möglich sind. Die von der Diözese Guntur und der Lutheranischen Kirche Bapatla mit unseren Spendengeldern und staatlichem Zuschuss finanzierten Häuser sind ebenfalls im Bau. Bei nächster Gelegenheit besuche ich auch diese Projekte.

Am 5. Januar fuhren wir nach Pedakurapadu, um in feierlichem Rahmen mit Bischof Dr. Gali Bali, unserem Projektleiter Mareddy, allen Hostel-Kindern und mehreren 100 Menschen aus den Dörfern die Fertigstellung des Kinderheimes zu feiern. Nach einem Gottesdienst, indischen Tänzen und gemeinsamem Essen folgten wir am nächsten Tag der Einladung nach Patibandla - Nachbarort und Heimatdorf unserer Projektleiter und von Bischof Dr. Gali Bali. Das Dreikönigsfest ist Pfarrfest und gleichzeitig eine Mischung von Kirmes und Fastnacht mit Lichterprozession, Feuerwerk, lärmenden Verkaufsbuden und unzähligen Menschen, die für wenige Rupien miteinander feiern. Wir besuchten die Familien unserer Freunde und kehrten spät abends mit Mareddy nach Pedakurapadu zurück. 

Eine Besonderheit: Im Gottesdienst in Patipandla brachte der Bischof seinen Dank für Eure Hilfe aus Deutschland in unseren Projekten und für die vielen von Tsunami betroffenen Menschen zum Ausdruck. Um seinerseits in der Diözese Guntur ein Zeichen der Hoffnung für die vielen Armen zu setzen, werden im Januar 2007 erstmals ausgebildete Kinder in den Pfarrgemeinden als "Sternsinger" gekleidet vor Hütten und Häusern singen und beten. Die gesammelten Rupien werden ausdrücklich für arme und hilfsbedürftige Kinder in seiner Diözese verwendet. Dies macht deutlich, dass bei aller notwendigen Hilfe von außen ein starker Wille zur Eigeninitiative vorhanden ist.

Ich blieb noch einige Tage im Projekt Pedakurapadu, um alles Notwendige zu besprechen. Danach besuchte ich Bala jun. in Sagar. Sagar ist Diözesanwallfahrtsort der Diözese Guntur - ein Ort, wo die Menschen aller Religionen Trost, Geborgenheit  und seelsorgerische Hilfe suchen. Bala jun. arbeitet hier mit einem Priesteramtskandidaten. Gleichzeitig leitet er mit Bala sen. aus Bapatla alle Tsunami Hilfsmaßnamen. Einer seiner Laienmitarbeiter ist Bauleiter in Vijajalakhsmipuram. Ich frage mich, wie die beiden Bala´s die Mehrfachbelastung tragen und alle Dinge koordinieren, sorgfältig und verantwortungsbewusst zu regeln wissen. Umso mehr freue ich mich über ihren geplanten Besuch in Deutschland im Mai diesen  Jahres.

Die letzten 2 Tage waren ausgefüllt mit Besuchen in den Tsunami Dörfern. Mit beiden Bala`s erlebte ich die Dankbarkeit der alten und behinderten Menschen für die gesicherte tägliche Mahlzeit  und die Freude vieler Kinder, die durch die Kinderhilfe Bapatla  bis Juni 2006 mit dem Notwendigsten für den Schulbesuch ausgestattet werden. Es ist unabdingbar notwendig diese beiden zusätzlichen Hilfsmaßnahmen in den Tsunami Dörfern mindestens noch für 1 Jahr (Juni 2006 - Juni 2007) fortzusetzen. Bitte helfen Sie uns dabei.

Danke für Ihr Interesse, Ihre Unterstützung und "Auf Wiedersehen" an unserem Waldfest am 6. und 7. Mai im Binger Wald.

Marie Treiling-Evers

 
 
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